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  Biografien
 

Manfred Watzlawik..                                                                              2010-08-01

4./82

1.10.1960-28.2.1963

PzGrenUffz

 

 

 

....wo dicht an der Ilme neue Heimat ich fand...

 

 

 

 

 

So sangen wir , nachdem ich am 1.10.60 aus Seedorf kommend (Grundausbildung bei der 4./71 ) zur 4./82 versetzt wurde. Mit mir kam der gute Kamerad Friedel Balbach (Bartofelde, Harz) , er musste  zur 5./82, ein guter Fußballer.

 

In der 4./82 waren hauptsächlich Wehrpflichtige, wir neuen Freiwilligen bildeten  eine Minderheit. Die Wehrpflichtigen kamen aus der Umgebung von Lüneburg bis nach Hamburg und Lübeck.  

 

Sehr präsent sind für mich noch zwei Kameraden aus Hamburg, Kopfschlachter von Beruf und intime Kenner der Reeperbahn. Originale. Dann noch brave Burschen aus dem Lüneburger Land.

 

Als Freiwillige bildeten die Kameraden Trochemowitz (vor zwei Jahren verstorben), Falk, Michaelis und ich eine interne Gruppe. Es waren alles Berliner.. Wir hielten zusammen. Hier traf ich auch die guten  Kameraden Dirk Sylvester (Berlin) und Günter Renz (Lüneburg). Wehrpflichtige. Wo sind sie abgeblieben?

 

 

....die besten Soldaten der 3. Division...

 

So sangen wir weiter. Zumindest wir Freiwilligen mit Überzeugung und Inbrunst.

 

Die 4./82 wurde meine neue Heimat. Sicher gab es auch die anderen Kompanien (die 3. war als Konkurrenz etwas gefürchtet) , die 4. wurde aber meine engere Welt. In dieser Zeit (10/ 1960-2/1962) verstarb auch tief betrauert ein KpChef der 3./82 auf dem Wege von Lüneburg nach Hamburg.

 

Wen fanden wir in der 4./82 vor?

 

Major Grabow war der Chef. Dann den OLt von Platow (sehr groß), kurzzeitig Lt Sasse,  den gütigen Kp/Fw/HpFw Prigge, den HpFw Panzer (ein ehemaliger Boxer) ,er trainierte uns im Sport, natürlich mit spezifischem Boxtraining. Darum ging ich später  bei der Fernspähkompanie 100 in Delmenhorst in den Boxklub Heros. Ein besonderes Vorbild für uns jungen Burschen war der Fw Adolph. Er kam vom BGS. Schneidig im Auftreten und in der Kommandostimme und untadelig,  war er uns jungen, späteren Uffz-Anwärtern und Unteroffizieren ein soldatisches Vorbild. 1961, als es krisenbedingt bei der 4./82   in Lüneburg eine „Mobilmachung „ gab , fabrikneue, instandsetzungsneue, innen weißlackierte HS 30 plötzlich zur Verfügung standen , wollte er mit uns jungen Burschen „durch das Brandenburger Tor paradieren“. Wir wären ihm gefolgt. So waren damals die Zeiten. Kalter Krieg.

 

Mein erster  Zugführer war der untersetzte SU Müller ?, ein milder Vorgesetzter.

 

In den lückenhaften Erinnerungen. SPz-Attrappen, Motor durch Blech verkleidet;  M 39/113?. Es können auch Fahrzeuge aus der Grundausbildung gewesen sein. Der 1,5 to – Ford, die NATO-Ziege, Benziner, der Borgward o,75 to, ohne Synchrongetriebe , der Schrecken des Fahrschülers in der Lüneburger Innenstadt. Das knallte zu Beginn der Fahrschule im Getriebe, zumindest bei mir.   Während der Fahrschule mussten in der Altstadt (Senkungsgebiet) schon manchmal die Kameraden aussteigen, um die Anwohner zum Schließen der nach außen gestellten Fenster zu bewegen.  Sonst wäre man nicht durch die engen Straßen gekommen.

 

Wir erhielten eine äußerst solide, infanteristische Ausbildung. Die Ausbilder: Sie hatten den 2. Weltkrieg mitgemacht oder kamen von dem gut ausgebildeten Bundesgrenzschutz.

 

Dann der HS 30. Es gab den HS 30-Skandal . Er war unser Gruppenfahrzeug und wir mussten uns mit ihm bezüglich der Ausbildung auseinandersetzen. Ich zunächst als Richtschütze an der BMK 20 mm-Kanone. Veraltet, für Flugzeuge vorgesehen , in den SPz eingebaut. Der fuhr hart im Gelände, die Kanone reagierte entsprechend. Mehr Stottern, Rohrstecker als Schießen. Selbst auf dem Schießlehrgang in Putlos/Todendorf bekam man diese Waffe nicht immer in den Griff. Der Waffenwart war ein gefragter Mann.

 

Das Innere. 1961 voll aufmunitioniert, gab es für uns im Schützenpanzer kaum Platz. Also als Begleitinfanterie nebenherlaufen, neben dem   uns eigentlich schützenden und bergenden Schützenpanzer. Was bekamen wir jungen Burschen von dem Rüstungsskandal  schon mit.

 

Wir wollten und mussten aber mit dem Gerät klarkommen. Also Absitzen während langsamer Fahrt nicht nur mit dem Gewehr, sondern auch mit dem Maschinengewehr. Meine damalige ROA-Gruppe machte das hervorragend. Die Rollen übten wir auf den geriffelten Fliesen des oberen Flures im Kompaniegebäude. Ein Risiko war immer dabei .Ja, die Kette.(s. Verbesserungsvorschlag). Ich forderte die Wehrpflichtigen  wie Freiwillige.

 

Dann der Aufenthalt in Sennelager.

 

Der Marsch dorthin. Stunden im Eisenbahnwaggon. Auf dem Bahnhof Lüneburg begann das Warten. Dann zusammengepfercht im Abteil. Liegenetze wurden mit dem Tragegestell und den Koppeln von Gepäcknetz zu Gepäcknetz gebaut.  Englische Soldaten.und Weltkrieg II-Fahrzeuge.dann in Sennelager.   Schießen, Nachtschießen. Alles neu und interessant.  Tee auf der Schießbahn. Luxus, bei der Bundeswehr ungewohnt. Massenduschen . Plötzlich und ungewohnt 30 Sekunden lang nur heißes Wasser. Ende der Vorstellung. Üblich oder Absicht?  Die englische Kantine. Die Jungs (Raucher) kauften äußerst günstig englische Zigaretten. Verbrüderung. 22 Uhr. Die MP kam und beschlagnahmte alle Zigaretten. Zigaretten weg, Geld futsch. Die NATO-Kameraden waren informiert, wir Dämlacks nicht.

 

Wahrend der Vollausbildung dann Gefechtsschießen (im scharfen Schuss)   im Zugrahmen mit Handgranatenwurf. Später war es wohl nicht mehr erlaubt. Was war damals noch alles möglich.

 

Pionierausbildung bei Meier-Loos /Mölln bzw. bei einem Gutsbesitzer am Schalensee. Warten es die gleichen Orte?

 

Bau von Behelfsbrücken, Bau von Knüppeldamm, Hochsitz und Blockhütte. Der Blockhütten-Chef hatte im  2. Weltkrieg in Norwegen gedient. Die Belohnung: Bier und ein Schwein vom Grill. Ich naseweiser GUA wollte auch noch das Signal“ Jagdhund tot „ vortrompetet haben (Sau tot u.a. gab es vorher). GUA Watzlawik ab ins Zelt!

 

Unser HFw Prigge. Die Mutter der Kompanie. Eine gütige Mutter. Die Maler und Tischler der Kp brachten das Gebäude auf Hochglanz. Das war für uns sehr schön, sparte dem Bund viel Geld, war aber nicht erlaubt und gab massiven Ärger (die Jungs sollten doch zu Soldaten ausgebildet werden).

 

Und Kompaniefeste in der Hasenburg. Zum Uffz-Fest Mädchen einer landwirtschaftlichen Schule (lag gleich links hinter der Eisenbahnbrücke). Überhaupt Mädchen und abendliche Kneipenbesuche. Im Rotlichtviertel (damals Senkungsgebiet und vom Abriss bedroht) waren fast alle Lokale in Zivil und in Uniform verboten. Wir schummelten uns hinein. Wer von uns Alten kennt nicht das Honky Tonky.

 

Weihnachten 1961. Weihnachten in Kohlenbissen. Schutz von Mun-Anlagen vor den Armeen des Ostblocks. Wir bewachten brav und am Abend kam der KpChef mit einer Pulle Schluck. Truppenbetreuung 1961.

 Im Auftrag von Fw Adolph gab es dann durch mich als GUA eine Belehrung des Zuges zum Umgang mit Sprengmitteln und Blindgängern, ein Truppenübungsplatzaufenthalt bei Unterlüß-Faßberg war geplant. Der Aufenthalt. Ich warf einen Blindgänger (Darstellung Kanoneneinschlag ?, DM 20?) in das Lagerfeuer, Detonation. Ich hatte als einziger meine eigene Belehrung wohl nicht mitbekommen!  Alles freute sich. Ich auch, selbst Fw Adolph. Dann das Erwachen und Schmerzen. Verbrennungen 3. Grades an der rechten Hand. Der Fahrer mit mir rund um das Kasernengelände Faßberg, ehe wir das Tor fanden. Einlieferung im SanBereich.  Tage später der Anruf vom Chef, Major Grabow: „Watzlawik, Sie wissen, was Sie gemacht haben?“. „Jawoll, Herr Major! Beförderungssperre. Als Lehrgangsbester vom U-Lehrgang eine bittere, aber verdiente Pille. Ja, 22 Jahre alt. Dummejungenstreich?!

 

Die Kameradschaft. Die Alten kümmerten sich um uns junge Spunde. Da waren die SPz-Fahrer, Obergefreite mit  einem weiten Herzen  gegenüber. Abgeklärt, Ruhepunkte.

 

Einige ältere Unteroffiziere, Der gutaussehende Uffz Wegener ist mir noch  in Erinnerung. Ebenso Uffz Ewald. Einer der Fahrer war OGefr Trück. Den Namen des „Blonden“ (s.Bilder) Habe ich leider vergessen.  Das waren die „Alten“ . Dabei waren sie auch noch jung. Dann die Grupenkameraden der Vollausbildung, später die Kameraden, welche ich selbst ausbildete. Viele Namen sind vergessen, durch spätere Erlebnisse in der Fernspähkompanie 100 überdeckt.

 

Eine Episode aus dem Sportunterricht. Sprung über den Sporttisch. Freiwillige vor. Watzlawik. Es klappte, aber dann doch lieber Runtergehen mit der Höhe. Noch einmal. Gleicher Antritt, gleicher Schwung, hoch über den Tisch hinweg, Landung an der Mattenkante.  

 

Verstauchung, Prellung: Nichts genaues wusste man nicht im SanBereich. Die eine Schicht ließ mit dem Olivhandtuch kühlen, die andere mit einem Wärmegerät wärmen. ‚Ein Obergefreiter mit dem Berufsziel Masseur massierte mit Inbrunst. Masseur wurde er hoffentlich nicht.

 

Als Fallschirmjäger musste ich dann später immer doppelt bandagieren. Diagnose 45 Jahre später: Halber Durchriss der Achillessehne, bohnengroß vernarbt. Was waren das noch für Zeiten.

 

Ende 1962 dann von mir ein Versetzungsgesuch. Zu der Zeit gab es mit meinem Zugführer Lt. Bagger Meinungsverschiedenheiten, die sich aber später als grundlos und Missverständnis  herausstellten. Trotzdem wollte ich zu meiner Wunschtruppe, den Fallschirmspringern. Es war dann die Fernspähkompanie 100 in Delmenhorst,   zu der ich zum  1.3.1963 versetzt wurde.

 

Die Ausbildung bei der 4./82 war ein solides, war ein gutes Polster.  Das interessierte die Gefreiten mit Springerausbildung in der Fernspähkompanie kaum. Ich musste mich wieder „hocharbeiten“. Manches konnte ich weitergeben, obwohl die Kompanie andere Aufgaben hatte als eine Panzergrenadiereinheit. Eine typische Episode aus der Bundeswehrzeit zum Abschluss: Unser KpFw kam von der Panzertruppe und schickte mich versehentlich zum Panzerschießlehrer-Lehrgang.  Er merkte den Irrtum zu spät und ich musste hin. Dabei war unser größtes Kaliber 9 mm. In Munster (Leiter war ein Hptm Baginski) wollte ich dann am stationären Turm (M 47)  üben, hatte ich doch von der Technik überhaupt keine Ahnung. Der Lehrgangs-Feldwebel.:“ Was gibt es da zu üben, wenn man Panzerkommandant und Zugführer  ist (war wohl die Lehrgangsvoraussetzung)“. Und ich durfte nichts preisgeben (Vergatterung vom Spieß, Chef wird in Regress genommen). Dann Zielen und Schießen nach Zeit mit Aufsteckgerät beim M 41. „Nun schießen Sie doch endlich!“

 

Es kam dann doch alles heraus, ohne dass es Ärger gab. Ich erhielt den Schießlehrerschein für die BMK 20 mm. Diese Kanone kannte ich ja aus Lüneburg. 4./82 sei Dank 

 

Von Manfred Watzlawik 

 

 

Klarstellung :  

Es muss Fw Adolphs heißen, ebenso im Bericht 18. Zeile (10/1960-2/1963).

 

Mit Gruß

M Watzlawik



Copyright By : Hptm. a.D. Hans-Fr. Krancke

Zusatz :

Lieber Kamerad Scholl,

 

der Offizier war Lt von Plato, nicht von Platow. Prigge war wohl nur OFw (Chronik  mangels Sachkenntnis erst spät gelesen).  Ansonst noch ein Nachtrag zum Einschieben:

 

In Erinnerung habe ich auch noch den Aufenthalt auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken 1962. Weniger das Schießen, mehr  das Drumherum.

 

Bei der Einfahrt mit dem HS 30 durch das Tor zu den Unterkünften ließ ich meine Besatzung abtauchen, nur der Fahrer und der Richtschütze durften sich blicken lassen.

 

Das war auch gut so, denn wie sahen wir aus? Zerdrückte Arbeitsmützen, den Arbeitsanzug alter Art (den Moleskinanzug gab es noch nicht) ebenfalls zerknautscht, am Koppel  mit den klappernden Aluminiumhalterungen die unsägliche kleine Kampftasche, Feldflasche usw. .

Dann die Amerikaner. Selbst das Olivzeug mit scharfer Bügelfalte, alles passte und sah wie bei einer Appellformation aus. Auch beim Kampfanzug.  Glänzende Stiefel mit weißen Schnürbändern  und glänzender Helm bei den Wachsoldaten.

 

Bei ihnen war nichts improvisiert oder aus politischen Gründen bzw. aus Erinnerung an Wehrmachtsbestände eingeführtes Material, das den modernen Erfordernissen (nicht) angepasst worden war. Wenn ich nur an die Stoffgamaschen zu den Arbeitsschuhen denke. Dabei gab es sicher auch damals bessere  Sachen auf dem freien Markt zu kaufen. Dann die dicke Uniformjacke, sicher auch für den Wintereinsatz entworfen. Die dunkelgraue  Hose zum Dienstanzug/Ausgehanzug ebenfalls für den Winter entwickelt, wie sollte man die nachhaltig bügeln? Wer hatte damals schon ein Bügeleisen. Schwitzen im Sommer war angesagt.  Was bedeutete es für uns, als zum Dienstanzug ein schwarzes Lederkoppel getragen wurde, als die Hemden Schlaufen bekamen, um die Achselstücke befestigen zu können und im Sommer Marscherleichterung beim Ausgang zu haben. Und dann nur Lederfett an die Stiefel, um durch Blinken und Zurückwerfen von Sonnenstrahlen den Feind nicht auf uns aufmerksam zu machen. Als ich im Militärmuseum Dresden unsere alte Ausrüstung sah, grauste es mich noch im Nachhinein.

 

Unser Kochgeschirr in Erinnerung an die alte preußische Armee wiederbelebt, und dann bei unseren amerikanischen NATO-Kameraden Zweckmäßigkeit auch beim Essenfassen. Wie beneidete ich später die Amerikaner und Franzosen um bestimmte Ausrüstungsgegenstände. Z. B.  war der amerikanische Schlafsack unser Favorit bei der Fernspähkompanie 100. Bei unserm: Schwitzen oder Frieren. Genug, heute sind die Sachen besser.

 

Mit Gruß

M. Watzlawik